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Post Scriptum

Christer Strömholm (1918-2002) ist einer der bedeutendsten schwedischen Fotografen der Gegenwart. Nun wird seine Ausstellung „Post Scriptum“ im Kalmarer Schloss gezeigt. Diese umfangreiche Retrospektive seines künstlerischen Schaffens besteht aus klassischen Fotografien ebenso wie aus bisher noch nicht gezeigten Bildern.

4. Juni – 2. November 2014, „Abgebrannter Saal”

Christer Strömholm studierte in den 1940er Jahren Malerei bei Isaac Grünewald und Otte Sköld. Er war Freiwilliger im Zweiten Weltkrieg und nahm an der norwegischen Widerstandsbewegung teil. Nach dem Krieg zog es Strömholm nach Paris, wo er die Fotografie als seine Ausdrucksweise entdeckte. In Paris lernte er später auch die Transsexuellen am Place Blanche kennen. Strömholms Bilderserie über „Die Freunde vom Place Blanche“ (1959 -1968) gilt heute als eine seiner bahnbrechendsten Arbeiten. Die Nachtvögel, wie man die Transsexuellen nannte, wurden Strömholms enge Freunde. In seinen Bildern schilderte er ihr Leben auf persönliche Weise, und heute wie damals beleuchten die Fotos das Recht auf ein eigenes Dasein und eine eigene Identität.

Strömholm arbeitete fast ausschließlich in Schwarzweiß. Ständig wiederkehrende Themen waren der Tod, das Leben, Privates und Freunde. Seine Fotografien lassen sich thematisch in Todesbilder (1954-1964), Private Bilder (1974-1982), Zeichen und Spuren (1982-1993) und Golgatha (1993-1996) einteilen. Im späteren Teil seines künstlerischen Schaffens ähnelten Strömholms Bilder immer mehr Collagen, für die er Fundstücke zusammensetzte und mit Polaroidfilm arbeitete. Die Bilder wurden abstrakter, wie Stillleben. Mit dem Bild statt der Technik als Ausgangspunkt veränderte Christer Strömholm die Sichtweisen und Haltungen in der schwedischen Fotografie. Der Fotograf sollte das Subjektive in der Fotografie hervorheben und sich selbst zum Teil des Bildes machen.

1962 gründete Strömholm gemeinsam mit Tor–Ivan Odulf Fotoskolan, eine Schule für künstlerische Fotografie. Die Schule war bahnbrechend und ihre Methoden neuartig – das Bild und nicht die Technik standen im Mittelpunkt. Christer Strömholm prägte Begriffe wie „vorhandenes Licht” und „persönliche Verantwortung”. Mit seinen Theorien veränderte er die Blickwinkel und Betrachtungsweisen in der schwedischen Fotografie. Als die Schule 1974 geschlossen wurde, hatte sie über 1200 Schüler ausgebildet, von denen viele heute zu den bedeutendsten Fotografen Skandinaviens zählen.

Strömholms erste Ausstellung „Zur Erinnerung an mich selbst” wurde 1965 im Kaufhaus NK in Stockholm gezeigt. 1966 entstand die Ausstellung „Todesbilder”. Danach dauerte es zwölf Jahre, bis er 1978 wieder zu sehen war, diesmal in der Galerie Camera Obscura mit der Serie „Private Bilder”. 1967 gab Strömholm das Buch „Poste Restante“ heraus, dessen Titel auf sein eigenes unstetes Leben anspielt. Sein großer Durchbruch  kam mit der Ausstellung „9 Sekunden meines Lebens” im Modernen Museum Stockholm 1986. Danach folgten Ausstellungen überall in der Welt. 1993 wurde Christer Strömholm zum Professor der Fotografie ernannt, und 1997 erhielt er den Hasselblad-Preis. Seine Werke findet man in Museen der ganzen Welt, darunter das MoMA, das Metropolitan und das ICP in New York und das Centre Pompidou in Paris. Kurz bevor Strömholm am 11. Januar 2002 verstarb, veröffentlichte die französische Tageszeitung Le Monde einen großen Artikel über sein Lebenswerk und nannte ihn „Le Grand Suedois” (Der große Schwede).

Kuratoren:  Joakim Strömholm & Maria Patomella in Zusammenarbeit mit Jakob Strömholm.
Die Ausstellung wurde vom Stockholmer Fotomuseum Fotografiska in Zusammenarbeit mit Strömholm Estate produziert.